DDR Prenzlberg-Szene/Untergrund?


Ich gehörte nicht zur "Szene". Was ich aber an der „Prenzlberg-Szene" der achtziger Jahre gut fand, war, dass es sie gab. Denn deren Existenz war für viele Leute in der DDR wichtig. Man darf nicht vergessen, dass die Energie der Berliner Szene auf andere Städte ausgestrahlt hat, so dass man auch in Leipzig, Jena, Dresden, Karl-Marx-Stadt usw. eine alternative Lebenshaltung finden konnte. "Untergrund" im politischen Sinne war diese konkrete "Szene" zwar nicht, aber da jeder Kunstausdruck zunächst einmal "Untergrund" ist, solange er (auch "unverschuldet") aus politischen Grüden nicht publiziert wird, möchte ich mich mit definitorischen Fragen nicht abgeben. (Mich stört allerdings jene Widerstandsgeste, die sich oft mit den falschen Leuten verbindet und andere - völlig zu Unrecht - aussen vor lässt. Aber das ist ein anderes Thema.)

Egal, ob ein paar Leute in der Stasi waren oder nicht – das spielte ja (fast) keine Rolle für die vielen drum herum. Und wenn die Stasi-Leute durch ihre Existenz die Szene - als geistigen Raum von Selbstverwirklichung und relativer Freiheit - ermöglicht haben, dann "danke" ihnen Gott, weil es vielleicht ohne die Stasi die "Szene" in dieser Form gar nicht gegeben hätte. Die Szene hatte eine gute Portion anarchische Substanz in sich - und für Anarchisten war die DDR in gewisser Hinsicht ein Paradies, weil Geld keine Rolle spielte, keinen Wert hatte. In diesem Land begannen die Probleme, wenn man anfing zu denken, wenn man die Zeitung aufschlug oder sich die „Aktuelle Kamera" ansah. Dann wurde es sehr, sehr dunkel und obskur.

Die „Prenzlauer-Berg-Szene“ - so unreal sie auch sein mochte - war also sehr wichtig, weil sie – neben anderen – ein Hort des selbstbestimmten Denkens und Tuns für einige Künstler, Querköpfe und Hochstapler in der DDR war. Ihr Problem – aber vielleicht auch ihr Daseinsgrund – bestand darin, dass sie von den verkappten Stasileuten Sascha Anderson & Rainer Schedlinski in gewisser Weise kontrolliert und von ambitionierten Schreiberlingen beherrscht wurde, die zumeist weder die Courage eines Lutz Rathenow oder die literarische Qualität z.B. von Kathrin Schmidt, Gregor Kunz, Kerstin Hensel besaßen, noch die satirische Kraft eines Steffen Mensching oder Hans-Eckart Wenzel – die allesamt vom Gros der „Szene“ niedergemacht bzw. bespöttelt wurden. Glücklicherweise gab es da die – in meiner Wahrnehmung – isoliert dastehenden Autoren Bert Papenfuß-Gorek, Detlef Opitz, Stefan Döring und ihre Texte, die allerdings die „Szene“ nicht gebraucht hätten, sondern auch aus sich heraus hätten schöpfen können, wie es Reinhard Jirgl, Jan Faktor, Frank Lanzendörfer, Johannes Jansen, Eberhard Häfner u.a. getan hatten, die sich dem arrogant-schwimmeligen Szene-Dunstkreis entzogen, oder andere wie Peter Wawerzinek, Uwe Kolbe, Matthias Baader Holst oder Durs Grünbein, die gar nicht erst in diesen hineingerieten.

Ich schreibe all das, weil sich mein eigenes Bizarre-Städte-Projekt für uns damals seltsamerweise nicht nur im Fadenkreuz (zum Glück „unrepressiver“) staatlicher Ermittlungen, sondern auch im Fadenkreuz der „Szene-Regierung“ befand, denn Anderson & Schedlinski agierten wie deren Premier- und Propaganda-Minister – dabei nicht nur die politischen, sondern auch und vor allem die geschäftlichen und bilateralen Beziehungen zum Westen regelnd.
So kam es, dass nicht nur die Staatsgewalt in Gestalt zweier Herren der Staatssicherheit – was wir allerdings erwartet hatten – mich heimsuchte, sondern auch Sascha Anderson, der Papst, Mentor und Mäzen der untergründlerischen Prenzlauer-Berg-Szene, der mich aufforderte, meinen „Bizarre-Städte“-Unsinn doch zu lassen. Der direkte Angriff „im Namen der Szene“ kam aber Ende 1988 von Klaus Michael (damals noch „Michael Thulin“), der in einem sehr fragwürdigen Pamphlet die apolitische „Reinheit“ der Szene gegen die „politisierenden“ BS zu verteidigen versuchte. Das war ganz im Sinne von Anderson, der sich seit Mitte der achtziger Jahre immer mehr zu einem unumstrittenen Herrscher des „Untergrunds“ stilisiert hatte, selbst als er von Westberlin aus agierte.

Allerdings hatten die Bizarren Städte nichts mit „Konterrevolution“ oder mit „Untergrund“ im klassischen Sinn zu tun. Das, was wir betrieben, war eher die Durchsetzung der alten Kantschen Lebensmaxime, „sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass man es zu tun hatte mit einem total pervertierten Sozialismus – denn das wollten wir schon glauben: dass das absolute Postulat der Freiheit im „idealen Kommunismus“ eines Karl Marx nicht nur ein Feigenblatt, sondern dessen Voraussetzung und Ziel war. In dem Koordinatensystem, in dem wir uns damals befanden, schwankten wir also zwischen unserem jugendlichen Hoffen auf eine gerechtere, freiheitlichere Gesellschaft und auf den „Welt-Frieden“ einerseits und dem Er-Leben einer tagtäglich selbstherrlich agierenden und entmündigenden Realität andererseits.

Die Bizarren Städte veränderten - zumindest minimal - die persönlichen Produktions- und Dialog-Bedingungen einiger Leute (viele davon lebten im Prenzelberg), die sich mit Kunst und Literatur beschäftigten - sich aber nicht von der teilweise arrogant-dogmatischen „Szene“ instrumentalisieren lassen wollten. Für mich wurden die "Bizarren Städte" mit der Zeit zu einem selbstbewussten Ausdruck einer „transzendentalen Obdachlosigkeit“ in diesem seltsamen Niemands-Land DDR. Immerhin „veröffentlichten“ wir einige Texte, die sonst keine Chance auf Publikation hatten (auch nicht in den unliberalen Szene-Blättern), wie z.B. Annett Gröschners „Maria im Schnee“, Heiner Müllers „Wolokolamsker Chaussee IV“, Matthias „Baader“ Holsts Gedichte oder Frank Lanzendörfers Foto-Text-Collage „Garuna, ich bin“, um nur einige zu nennen. Wir haben aber auch mit unseren Schwerpunkten Maßstäbe gesetzt und – im Rückblick betrachtet – einige damals unbekannte Themen aufgearbeitet, wie z.B. das Wirken der Malergruppe „Lücke“ um A.R.Penck und Wolfgang Opitz Anfang der siebziger Jahre, oder über die Umweltzerstörung in der DDR berichtet, u.a. in dem programmatischen Text von Jurij Koch „Die Schmerzen der auslaufenden Art“ oder über den „Feminismus“ in der DDR-Malerei. Wer sich zudem unsere beiden Dresden-Editionen anschaut, erhält einen guten Einblick in die „alternative“ Dresdner Literatur- und Malerszene um 1988.

Der andere wichtige Punkt für das Entstehen der BS war die Sehnsucht nach einer Kommunikation, wie es sie im öffentlich-offiziellen Raum der DDR nicht (oder nur verklausuliert) geben konnte. Das Eigentliche war für uns der Weg, der Produktionsprozess, nicht die Bände an sich, die es ohnehin nur in wenigen Exemplaren gab und die keine Öffentlichkeit herstellen konnten. Wir wollten weder dem ambitionierten, elitär erscheinenden „Diskurs“ der Szene-„Theoretiker“ folgen, noch ein vormundschaftliches staatsdoktrinäres Denken akzeptieren. Wir versuchten, uns außerhalb dieser vorgegebenen Muster zu bewegen, Spaß zu haben und gute Hefte zu machen. Durch die BS sind ein paar interessante Botschaften aus dieser Zwischen-Welt und Zwischen-Epoche geblieben, viele Erinnerungen an eine äußerst konstruktive und spannende Zeit und ein ziemlich bitterer Geschmack von Freiheit. Klaus Michael konstatierte rückblickend 1990: „Der Überbau ist entmachtet, der Untergrund tot. Und was sich Ende der achtziger Jahre abzuzeichnen beginnt, ist die Rückkehr der Literaten zur Literatur.“ Ich wage die These, dass die BS diese Entwicklung erkannte, publizistisch ausdrückte und begleitete - ob nun zur Prenzlberg-Szene gehörend oder nicht.

Postskriptum: In memoriam Adolf Endler

"Ich schreibe wie jemand, der sich die Pulsadern aufschneidet", notierte der Dichter Giorgos Seferis am 7.9.1926 in seinem Tagebuch – was zumindest eine pathetische Umschreibung für den "existentiellen" Wert der Dichtung in seinem Leben war. Adolf Endler hat genauso geschrieben, gefühlt und gelebt. Er war „Dichter“, durch und durch. Eine Mischung aus Transportarbeiter des Worts, belgischem Bohemien, antifaschistischem Eremiten und „böhmischem Zigeunergauner“. Er erschien mir immer wie ein pulsierendes Intellektum, ein energiegeladenes Bündel.

Ich "entdeckte" ihn 1979 über seine wunderbaren Nachdichtungen der Gedichte des Alexandriners Konstantin Kavafis, die mir in gewisser Weise Vorbild waren für meine spätere eigene Arbeit:

Ihr Plätze und ihr Viertel, Gegend, wo ich wohne,
Die ich vor Augen habe und durchmesse, Tag für Tag:
Ich war's, der euch erfand in größtem Glück und tiefster Traurigkeit,
Die vielen Episoden, mannigfachen Wesen –
Jetzt ganz und gar voll Leben und Gefühl, sei's nur für mich.

Endler war für mich eine ernste Angelegenheit, sein Alter Ego Bubi Blazezak ein polternder universeller Geist. Endler gewann eine knisternde Klarheit in seinen ausschweifenden Texten, und zugleich durchdrang ihn ein entwaffnender Humor, den er mehrfach in diversen Samistad-Drucken, z.B. in den „Bizarren Städten“, kucken ließ. Denn von Endler wurde kaum was veröffentlicht zu DDR-Zeiten, dafür konnte man ihn oft im kleinen Kreis erleben, lesen hören, und ab und an schwang er auch sehr gekonnt außer-literarische Fahnen.
Adolf Endlers Existenz war einer der Gründe, warum man es als Intellektueller noch in der DDR aushielt. Ich empfand es jedenfalls damals so. Er war der Tarzan des Prenzlauer Bergs, ich war der Neger in Pankow. Endler bedeutete für mich eine Art Heimat in der transzendentalen DDR-Obdachlosigkeit.

© Asteris Kutulas, 1992


Hier ein Text von Olaf Nicolai über die „Bizarren Städte“ und die intellektuellen Befindlichkeiten der Prenzlberg-Szenisten aus dem Jahre 1988:

olaf nicolai
randbemerkungen zur publikation der „bizarren städte“

jeder diskurs referiert die logik des ihm vorausgehenden systems, auch wenn er die destruktion derselben zum ziel hat. das verhältnis zur geschichte ist somit ein zweifaches: zum einen resultat, zum anderen beginn. insofern kann kritik nicht nur eine funktion des textes den verhältnissen gegenüber sein, sondern ist ebenso als eine notwendigkeit auf sich selbst bezogen zu bestimmen. zu letzterem beizutragen, ist sinn dieser bemerkungen.

1
vor dem hintergrund der vorhandenen (oder zum teil schon nicht mehr vorhandenen), im eigenverlag erscheinenden publikationen erscheint „bizarre städte“ als ein versuch, dort gebildete strukturen aufzugreifen und in neue zusammenhänge zu setzen. es zeigt sich so, daß die monadenhafte produzentengemeinschaft, die durch die geringe auflangenhöhe nur geringe wirkungsmöglichkeiten hatte, nur bedingt eine alternative sein kann. zum anderen scheinen die neuen formen der eigen-edition modellcharakter angenommen zu haben, der jeden neuen versuch prägt. bleibt die frage, wie beides zusammengeht.
(zu bedenken wäre auch, daß die geringe auflagenhöhe bewußt genutzt wurde – so erhielten die publikationen unikatcharakter, der sie so zu einem sammlungswürdigen kunstwerk werden ließ. somit war eine wichtige voraussetzung für die weitere existenz der hefte und zum teil auch für die ihrer macher gegeben. die spezifische form der samo-stad editionen ist nicht nur reaktion auf fehlende veröffentlichungsmöglichkeiten (was sie zuerst waren), sondern sie verfestigte sich in dem maße, in dem deutlich wurde, daß es gerade diese form ist, die eine gewisse aufmerksamkeit und lukrativität sicherte. dies scheint mir vor allem für die späteren phasen wichtig. (die hefte erwiesen sich letztendlich auch als eine art marktlücke.) hier wäre auch die frage zu stellen, ob die ausdehnung der wirkungsmöglichkeiten durch erhöhte auflagen noch in betracht gezogen worden ist. der verlust von gesellschaftlichem interesse an kunst führt zu elitären zirkeln, die in der folge ein mangelndes interesse an bestimmten gesellschaftlichen prozessen sich zueignen. der verlust der gesellschaftlichen funktion von kunst als folge des interessenverlustes der gesellschaft an den möglichen funktionen der kunst in ihr. (1)

2
gerade die beibehaltung des „kunstwerkcharakters“ beim projekt „bizarre städte“ (vor allem beim ersten heft) widerspricht so eigentlich der intention, mittels neuer reproduktionstechniken (computer) und neuer vervielfältigungsqualität (einheitliches papier), buchform) die nachteile der bisherigen hefte zugunsten einer produktiven kommunikation zu überwinden.
auch wird das unterfangen, viele verschiedene poetiken und medien zu vereinen, tendenziell in frage gestellt durch das bloße nebenbeinander“stellen“ von zueinander beziehungslosen arbeiten.
der neue anspruch muß auch eine neue form zeitigen. eine schon vorhandene nur größer und zahlreicher nur aufzulegen, kann wie der versuch wirken, einen trend kommerziell zu verwerten.
eine kontinuierliche redaktionelle arbeit, thematische hefte, dialog zwischen ihnen über die beiträge, in einer hohen auflagenhöhe angemessenen form – das wären denkbare wege. (2)

3
obige kritik wäre verfehlt, würde man der behauptung glauben schenken, daß dies ein einmaliges pilotprojekt sein würde, um so durch spätere legalisierung zu einer autorenzeitschrift zu gelangen. ich tue dies nicht. zum einen ist es schwer vorstellbar, daß all die, die diese arbeit investiert haben und daß alle, die daran beteiligt sind, beruhigt nach hause gehen, wenn sie erfahren haben, daß sich eben keine institution finden läßt, wie man hoffte – man hat’s ja mal versucht. dieses projekt wird weitergehen, oder andere werden daraus hervorgehen.
zum anderen ist es naiv, sich wieder bedingungslos an die gnade der institutionen auszuliefern, nachdem gerade aus dieser situation heraus das projekt entstanden ist. dieses verhalten der institutionen jetzt wiederum zu einer bedingung für das gelingen selbst zu machen, halte ich, wenn es in der beabsichtigten unausschließlichkeit geschieht, für falsch.
um der logik des diskurses zu entgehen, um über seine grenzen hinauszugelangen, muß man im sinne dieser logik alogisch verfahren. der bittsteller wartet immer vor den toren der paläste, in denen entschieden wird – über ihn. so besetzen diese immer nur die zuschauerplätze um die arena „geschichte“ herum.

4
eine weiterführung des projektes würde nicht nur bei ablehnung, sondern auch bei legalisierung sinnvoll sein. denn diese eine zeitschrift kann sicher kaum alle angebote bewältigen, noch die verschiedenen bedürfnisse befriedigen, die bei der beteiligung so unterschiedlicher medien wie literatur, musik, grafik da sind. die stau-situation könnte diese eine zeitschrift nicht bewältigen. mehr andere hefte wären denkbar – vielleicht auch konkurrenz als stimulus. außerdem besteht die gefahr, daß mit der legalisierung einer edition andere leichter zu deplacieren sind.

5
all das deutet an, daß die „bizarren städte“ auf eine andere, notwendige veränderung hinweisen, die zu verdrängen nur um den preis des verlustes an authentizität gelingen dürfte.
es geht doch weniger um das problem, ob sich nun ein verlag finden läßt, der dieses projekt mittragen möchte (vielleicht um daraus eine attraktive kunst-presse zu kreieren), sondern es geht doch wohl eher um die veränderung von regelungen, die die reproduktion und distribution von produkten wie literatur, bilder etc. für den produzenten festzuschreiben und sogar in die produktion selbst hineinwirken (bsp. selbstzensur). dies ist nicht nur ein problem der auf dem gebiet der kunst tätigen, sondern betrifft auch wissenschaftler und theoretiker.
der dialog um eine demokratisierung der austausch- und kommunikationsmöglichkeiten muß geführt werden. das ist nicht nur folgerichtig in einer gesellschaft, die sich als „ziel“ einen zustand vorstellt, in dem die freie entwicklung des einzelnen die voraussetzung für die aller ist, sondern es ist für ihre entwicklung unabdingbar. (3)

6
die stadt war einst sinnbild für human, nach dem diktat der vernunft gestalteten raum, der freiheit verhieß. die tatsächliche entwicklung wandelte dieses bild um in das des molochs. heute kursiert das gleichnis vom labyrinth als ort mystischer zukunftsvisionen, die glauben, der rationalität entsagen zu müssen.
„bizarre städte“ – diese metapher verheißt eine erfahrung, die das „entweder/oder“ zugunsten des „und“ überwindet. hoffnung, die der illusion entsagt. daß der gegenwärtige zustand dies gezeitigt hat, zeigt an, daß er die bedingungen für seine veränderung hervorgebracht hat. die metapher ist klüger als ihr autor (so heiner müller) – ich hoffe, daß wir die erfahrung, die die metapher von den „bizarren städten“ (die metapher für einen bewohnbaren raum) verheißt, machen werden können.

(1) der begriff der gesellschaft wird sicher bei einer analyse dieses prozesses aufgelöst werden müssen, denn er verschleiert mehr als er offenbart – täuscht ein homogenes gebäude vor, wo somit nur „in“ oder „out“ denkbar sind. es würde um die untersuchung der einzelnen strukturen und der elemente gehen, die dieses system konstituieren, um die betrachtung ihrer funktion, reproduktion und produktion, um schichtenanalyse, um macht und repräsentation – kurz um die genaue analyse dessen, was ist.

(2) gleichzeitige arbeit in arbeitsgruppen mit verschiedenen editionen zum beispiel ebenso. dadurch wäre auch die belastung einzelner weg, größere vielfalt und flexibilität möglich.

(3) der begriff des „ziels“ ist trügerisch. dieser zustand ist weniger ziel (es geht nicht um technologische konzepte, deren kehrseite der fatalismus ist) als vielmehr ständig einzuforderndes. eine vielzahl von problemen sind ohne das einbringen der kreativität des einzelnen (was wiederum eine entwicklungsmöglichkeit voraussetzt) heute gar nicht mehr lösbar. insofern ist diese forderung nicht einem wunschdenken verpflichtet, sondern der aus den gegebenheiten resultierenden notwendigkeit.

(dieser text ist die zweite fassung einer kritik zu „bizarre städte“, die auf bitten von hans brinkmann entstand.)

olaf nicolai märz/juni’88