Asteris Kutulas: Mikis Theodorakis – Ein Leben in Bildern

Bildband inklusive 1 DVD und 2 CDs
... mit über 300 Fotos (etliche davon hier erstmals veröffentlicht), zahlreichen Texten, Interviews und exklusiven Informationen.

Für uns stellt dieses Buch einen Extrakt unserer bereits 25 Jahre währenden Beschäftigung mit dem Phänomen Theodorakis und seinem künstlerischen Werk dar. Etliche Konzerttourneen, CD-Produktionen, Übersetzungen, die Mitarbeit an Filmen über Mikis, die ungezählten Besuche bei ihm – all das ging der Entstehung des nun bei Schott erschienenen Fotobandes voraus. Gesichtet wurden in verschiedenen Archiven insgesamt über 17.000 Fotos.
Im Winter 2009 durften wir im Privatarchiv von Mikis und Myrto Theodorakis mehrere Wochen lang Material auswählen. Wir scanten mehr als 4.000 Fotos ein, von vormittags bis nachts, am schönsten Arbeitsplatz der Welt: mit Panoramablick auf die Akropolis, bei der sich fast jeden Nachmittag riesige Dezember-Regenwolken versammelten, sich einen Moment über den Parthenon hängten, bis sie und er sich berührten, um dann weiter zu ziehen. Wieder und wieder tauchten weitere Foto-Alben aus Schranktiefen auf, an anderen Orten in Tüten oder in Packpapier gewickelt, manchmal fanden sich lediglich winzige Diafilme, was umso abenteuerlicher war, denn wir wussten bei ihnen nicht sofort, was wir zu sehen bekommen würden.
Es waren heilige Stunden, die wir mit all den Fotografien verbrachten. Mikis’ Lebensgeschichte und die Zeit, der prüfende Blick der Jahrzehnte traf den unseren, herausfordernd, eigenwillig. Wir arbeiteten dann weitere sechs Monate zusammen mit dem Schott-Verlag darauf hin, dass endlich das Buch entsteht, nach dessen Erscheinen man sich fragen mag, warum es dieses eigentlich nicht schon längst gibt. Jetzt ist es da. Vielen Dank all jenen, die uns bei unserer Arbeit unterstützt haben.

Asteris und Ina Kutulas


Rezension von Danae Coulmas für die "Griechenland-Zeitung":

Eigentlich blättert man einen üppig bebilderten Fotoband zunächst durch, bevor man mit der Lektüre der, ebenso reichhaltigen Texte beginnt. Ich aber legte zunächst eine der beigelten CDs auf, und so war zuerst die Musik da, Musik unseres Lebens. Erst dann öffnete ich das Buch, konnte Mikis begegnen, in historisch bedeutenden Fotos, in ästhetischen Bildern von seltener Qualität; einige kamen mir unbekannt vor, das letzte war bewegend: Mikis Theodorakis auf der Überfahrt von Chios (Griechenland) nach Tschesme (Türkei), zu einem griechisch-türkischen Konzert, 2005 ( einem der vielen, die er und sein türkischer Kollege Livaneli schon in Zeiten, wo so etwas fast undenkbar war, gegeben haben). Grauhaarig, gealtert, ungemein präsent, die Augen auf das zu erreichende Ufer gerichtet – so begegne ich diesem Blick –, zugleich zurückblickend auf die Geschichte seines Landes, die ihm unendlich viel Leid brachte: Krieg und Besatzung, Hungersnot und Krankheit, Widerstand, Verhaftung, Bürgerkrieg, Deportation, Flucht, immer aufs neue, bis hin in die Jahre der Obristendiktatur. Der Blick auf Seite 159 ist traurig, nachdenklich und scharf. Wissend. Wissend um die Entscheidung für die Freiheit, immer aufs neue. Und dass seine Musik mit ihr und für sie entstand, im äusseren und persönlichen Chaos. An Stelle eines Nachworts spricht er selbst einige erstaunliche Worte hierzu:
„Und wenn meine 85 Lebenjahre tatsächlich viele und verzehrende Jahre waren, so habe ich trotzdem den Eindruck, dass diese Zeit – so, wie ich sie mit und vor allem für die Musik gelebt habe – schliesslich doch sehr kurz war“. Athen, am 17. März 2010.

Musik unseres Lebens - Wir ahnten es. Als wir zum Epitaphios von Jannis Ritsos plötzlich eine Bousoúki als Begleitung hörten, dem Instrument aus der Rebetiko-Szene, dem Proletariat der Städte, und das Klagelied der Mutter nicht von der vogelklaren Stimme einer Nana Mouschouri zu hören war, sondern von der rauen Stimme eines Jungen aus dem Volke, Grigoris Bithikotsis. Als das Axion Esti von Odysseas Elytis – Ursprung, Geschichte, Passion Griechenlands – teilweise von Mikis vertont, „zur Bibel des griechischen Volkes wurde “. Als Texte selbst von Seferis und vielen anderen, „schwierigen“ Dichtern und Nobelpreisträgern, in Mikis´ Vertonung von jedermann auf der Strasse gesungen wurden, wie hierzulande Schlager und, einzigartig in Europa, die Grenzen zwischen populärer Musik und „hoher“ Kultur wegewischt waren. Als Sorbás von Kasantzakis – Jahrzehntelang stellte er den „Griechen“ dar - im Film von Kakojannis der ganzen Welt das Tanzen beibrachte, mit den congenialen Schritten von Anthony Quinn zum Jahrhundert- Rhythmus von Theodorakis: Sirtaki! Als dann jene anderen, zum Tode führenden Schritte von Yves Montant, im Film von Gavras „Z“ zu Klängen von Mikis die Welt aufrüttelten, als kündigten sie von der Selbstverständlichkeit der Gerechtigkeit... Immer dann wussten wir es, das war die Musik unseres Lebens. Auch während der Jahre der Junta, als sie in Griechenland verboten, aber auch dort am meisten gehört wurde , da kein Tag verging, ohne dass seine Lieder über die Auslandssender – so durch die Deutsche Welle aus Köln - nach Griechenland gesendet wurden. Neben dem kritischen Wort in jeder Sendung war diese Musik, eine der wichtigsten Waffen gegen die Obristen. Umfassend die ganze Welt, so mit Pablo Neruda und dem Canto General. General, d.h. allgemein, jeden angehend, auch diejenigen, die unter keiner Diktatur lebten, dafür mit einer „Kulturrevolution“ unterwegs waren, von Berkley bis Paris, bis Berlin...

Herausgeber und Verlag haben „einen opulenten Bildband über Leben und Werk des Künstlers“ geschaffen. 300 Abbildungen auf 160 Seiten bilden den optisch-expressiven Teil: Mikis´ Gesicht, Mikis Bewegungen, Kindheitsbilder und die eigene Familie, Situationsbilder mitten in den politischen Wirren, im Gefängnis, auf Deportation, in der Freiheit, und immer wieder hoch auf der Bühne dirigierend, das Gesicht, immer anders, die auslandenden Armbewegungen, immer gleich... Sein Singen, hörbar. Porträts von anderen, allein oder mit ihm, von Freunden über all in der Welt, Künstlern, Politikern, Revolutionären, Regierenden... Platten, Plakate, Partituren...
Aber Ein Leben in Bildern ist mehr als sein Titel verspricht. Es ist auch textuel die Erzählung eines Lebens und die detaillierte Präsentation eines Werkes. Es enthält eine beachtliche Dokumentation aller kompositorischen Phasen von Theodorakis, berücksichtigt, was selten geschieht, den weniger bekannten Teil seiner symphonischen Musik, begleitet den jeweiligen Zeitabschnitt Bilder und Texte mit der Chronologie der Werke – in gelungenem Layout. Und stellt als durchgehenden Corpus grosse Abschnitte aus der Autobiographie von Mikis Theodorakis. So kann man neben der durch die Bilder vermittelten Unmittelbarkeit auch in die Nähe dieses „Ich“ gelangen und sein verzehrendes und grossartiges Schicksal erfassen. Das Leben eines Griechen und seines Engagements für die Welt. Unter einigen anderen Zeugnissen, erfährt man in einem langen Gespräch mit Asteris Kutulas interessanten Details, so die Antwort von Theodorakis auf die Fragen nach seiner politischen Gesinnung.

Canto greco – canto general... - Asteris Kutulas beschäftigt sich seit fünfundzwanzig Jahren mit Theodorakis und seinem künstlerischen Werk. Er ist sein Promotor, Organisator von Konzerten, Produktionen, Herausgeber, Übersetzter seiner Texte und, nicht zuletzt, Hersteller eines Werkverzeichnisses. Ein Freund und Vertrauter. Er ist ein Liebender, dessen Augen jedesmal leuchten, wenn er z.B. eine CD auflegt und daraus einem ein Lied von Mikis vorspielt, als hörte er es zum erstenmal. Was wollte er mit diesem Buch? Ich darf aus seinem letzten Brief, zum Buch zitieren: „... ich wollte nicht nur die Vergangenheit zusammenfassen, nicht nur einen wichtigen Aspekt griechischer und europäischer Musikgeschichte dokumentieren, sondern die unglaubliche "Energie", die von diesem Phänomen Theodorakis ausgeht, und die etwas Zeitloses, also auch Zukünftiges, Überdauerndes hat, kenntlich machen“. Es ist ihm gelungen. Denn man kann dieses Buch auch so lesen, als die Darstellung eines zeitlosen „Phänomens“, dessen Kraft uns erreicht und umfasst wie die ausholenden, umrundenden, zurückholenden Bewegungen von Theodorakis selbst, wenn er dirigiert.

Das Buch ist das Ergebnis eines langen archivarischen Stöberns, Sammelns, Auswählens, mit trefflichen Akzentuierungen. Zuletzt im Haus von Mikis Theodorakis, wo Asteris und Ina Kutulas auch privates Material ansehen durften. Was zweifellos zum emotionalen Teil ihrer Arbeit gehört: sie sprechen von „heiligen Stunden“.
Wir Älteren verbrachten in der Nähe von Mikis vielleicht nicht „heilige“, doch aber hohe Stunden der Begeisterung und der Hoffnung. Als er mit seiner Präsenz, seine Musik, sein Lachen, uns die Angst nahm, dass Griechenland, Europas erste westliche Nachkriegsdiktatur, das Schicksal von Spanien und Portugal haben könnte. Seine Konzerte in Deutschland waren internationale Ereignisse, erzeugten eine ungeahnte Solidarität. Mikis dehnte sie aus bis Mitternacht, danach, suchte er in einem Gasthaus nach einem Klavier. Und dann spielte er bis zum Morgengrauen, er sang, und wir sangen. Als wären Musik und die Freiheit eine Einheit, ein Kontinuum, ein einziges Lied. Ein Lied für alle. Canto Greco.

© Danae Coulmas, Juli 2010


Rezension von Horst Möller für den MDR:

Ob er im Frack eine gute Figur gemacht hat, ist anhand des Fotos im Halbprofil nicht zu erkennen. In ihr an seiner Seite – excusez-moi Madame – ist die Frau von Welt allerdings beim besten Willen nicht zu erahnen. Das Foto zeigt die beiden anlässlich der Premiere seines Antigone-Balletts am 19. Oktober 1959 in The Royal Opera House Covent Garden LTD. Mikis Theodorakis im Frack und mit Antigones Botschaft „nicht mit zu hassen, nein, mit zu lieben bin ich da.“ In London. Fünfzehn Jahre nachdem die Briten unter Churchill in Athen mit Panzern und Bombern die Volksbewegung niedergezwungen und den Kollaborateuren Hitlerdeutschlands zur Macht verholfen hatten. Einer der Gefolterten, erst im Krieg gegen die Deutschen, dann im darauffolgenden Bürgerkrieg war er selber. Auch wenn er in London im Frack eine gute Figur gemacht haben sollte, war in Athen zu dieser Zeit noch immer anderes vonnöten, um mit dieser Botschaft Antigones von den eigenen Landsleuten gehört zu werden. Und er ist von ihnen in den Folgejahren in einer Weise gehört worden, dass ihn nach 1967, nach ihrer Machtergreifung, die Verächter seines Volkes wiederum folterten. Aus der heutigen lähmenden Teilnahmslosigkeit heraus ist die seinerzeitige, über die Ost-West-Barrieren überschwappende Woge der Solidarität, namentlich auch unter der Künstlerschaft, zwar nur noch schwer begreif-, durchaus aber erklärbar. Nachdem Theodorakis seinen Schergen entronnen und in Paris war, verband sich mit ihm wie kaum mit einem anderen die Hoffnung auf Zugewinn von Freiheit, weltweit. Zwischen Oktober 1971 und November 1973 verzeichnet der Sängerstar Petros Pandis 270 gemeinsame Konzerte rund um den Erdball, allerdings ohne den Ostblock, der sich vom Eurokommunisten bedroht sah. Dem Buch ist – zusammen mit zwei CDs – als DVD beigegeben die Erstveröffentlichung des Fernsehmitschnitts der chilenischen Premiere vom „Canto General“ am 23. April 1993 im Teatro Monumental von Santiago. Zwanzig Jahre nach der ursprünglich geplanten Uraufführung wird der Atem, der von diesem Oratorium ausgeht, noch einmal manifest. In vollem Einklang mit diesem monumentalen Werk und an Eindringlichkeit nicht zu überbieten steht, was Theodorakis als inzwischen Fünfundachtzigjähriger unbeirrt mit kargen, bitteren Worten darüber zu sagen hat, dass das Foltern (in Guantánamo) noch immer nicht aufhört.

Ein beglückendes Buch liegt vor, mit dem sich Asteris Kutulas der enormen Herausforderung gestellt hat, Theodorakis gerecht zu werden. Seine Leipziger Lehrer (Claus Träger, Walfried Hartinger) hätten diese Publikation gewiss mit größter Genugtuung entgegengenommen, ungeachtet dessen, dass aus dem gelernten Literaturwissenschaftler nun gleichsam der Anton Schindler von Mikis Theodorakis geworden ist. Beethovens „Geheimsekretär – ohne Gehalt“ attestierte man, dass keine noch so gute Biografie je wieder die Unmittelbarkeit würde einfangen können, die seine Darstellung so lebendig macht, noch weniger aber den Funken, der mehr als einmal vom Genius auf den Adlatus übergesprungen sei. Als sein „Adlatus“ hatte sich Asteris Kutulas bereits 1986 bestens ausgewiesen durch die Publikation musikologischer Schriften des Meisters im Reclam-Verlag. In den Folgejahren hat er das ausufernde Oeuvre (mit den bedeutenden Editionen bei Breitkopf & Härtel) erfasst und unter dem Sigle AST geordnet. Bei der vorliegenden Biografie rückt er in den Mittelpunkt, wodurch der weltberühmte Grieche sowohl im Künstlerischen als auch im Politischen umstritten ist. Die Selbstauskünfte, die hierzu zu lesen sind, resultieren aus Befragungen der unbequemeren Art. Unbequem in einer Weise, wie der Befragte seinem „Adlatus“ gelegentlich einer Diskussion mit Studenten in der Moritzbastei einst selber gekommen war mit den Worten: wenn ich hier leben müsste, wäre ich entweder im Gefängnis oder tot. Anders als Klartext zu reden versteht ein Theodorakis nicht. Ebenso klar artikuliert der Sirtaki seines Zorbas, mit dem er oft gleichgesetzt (oder gar: auf den er gern reduziert) wird, nach dem grandiosen Scheitern ein Nun-erst-recht. Die triumphalen Erfolge, auf die Theodorakis zurückblicken kann, werden vornehmlich durch die faszinierende Fotoauswahl dokumentiert (unnachahmlich, wie sich Theodorakis und Anthony Quinn am 29. Juli 1995 beim Konzert auf dem Königsplatz in München in die Arme werfen). Die Selbstzeugnisse korrespondieren mit den – leider nicht auf einen Blick erfassbaren – Äußerungen einer beeindruckenden Phalanx prominenter Mitstreiter (darunter ein explosives Gespräch mit Joseph Beuys). Dieses Buch ist ein Ereignis, es bezeugt bleibende Wirkungsmächtigkeit.

© Horst Möller, Juli 2010


Der Band „Mikis Theodorakis – Ein Leben in Bildern“ erscheint in dem Jahr, in dem der Komponist seinen 85. Geburtstag feiert. Diese Bilder sind vor allem Fotos, Fotos aus jeder Lebensphase, aus verschiedensten Lebenssituationen, Abbilder von Momenten unterschiedlichen Lebensgefühls und Zeitgeists.
Ein Buch über Theodorakis machen zu wollen, das kann von vornherein nur bedeuten, zumindest etwas zu tun als es gar nicht zu tun. So wie jede legendäre Rockgruppe, jeder Sänger-Star üblicherweise seinen Fotoband hat, so wie auch Ausnahmeinstrumentalisten und Dirigenten abgelichtet werden und mit diesen Momentaufnahmen Bände gefüllt, so wäre es für eine Persönlichkeit wie Theodorakis schon lange an der Zeit gewesen, seinem Leben und Schaffen ein entsprechendes Dokument zu widmen, das auf diesen Künstler fokussiert. Erstaunlich, dass dies erst jetzt geschehen ist. Theodorakis und seine Frau waren aber auch erst jetzt bereit, ihr privates Fotoarchiv zugänglich zu machen. Und einige Fotografen wurden auch erst jetzt befragt, ob ihr Fundus gesichtet werden kann im Hinblick auf das, was für einen Theodorakis-Band von Interesse sein wird.
Vielleicht markiert dieses 85. Lebensjahr gleichsam eine imaginäre Schwelle, die das Theodorakis-Publikum gemeinsam mit dem Künstler überschreitet. Sie zeigt eindrucksvoll und nachdrücklich an, über welch enorm langen Zeitraum der Komponist auf der Bildfläche präsent geblieben ist, durch wie viele Situationen er ging und voraus schauend führte, wie sehr er selbst sich treu blieb, wie bei allem, wofür er sich engagiert hat, die Musik ihm das Wesentlichste bedeutet, im Zentrum seines Denkens und Handelns steht, als Ausgangs- und Rückkehrpunkt.
Aus einem Fundus von mehr als 17.000 Aufnahmen auszuwählen, verlangt mehr, als nur darüber zu entscheiden, ob ja oder nein. Das Leben des Komponisten Theodorakis würde erlauben, einen Band zu beinah jedem einzelnen Jahr mit Fotos zu füllen. Die Einschränkungen, die man sich deshalb bei der Auswahl auferlegen musste, führten zu einem keineswegs enttäuschenden Resultat. Im Gegenteil – jede der veröffentlichen Aufnahmen wird nun zum Sinnbild, das im wahrsten Sinne des Wortes „Bände spricht“. Wer auch immer dieses Dokument betrachtet, findet darin nicht nur ein Zeugnis des Lebens des Komponisten Theodorakis, der die Musik schrieb, die begeistert, die ermutigt, die das Wort überbringt, den Weg ins Licht taucht, den Schatten einbezieht. Die Fotos, die diese Jahrzehnte des Schaffens und Wirkens abbilden, reflektieren zugleich die Geschicke des Publikums, wesentliche Augenblicke, die tausendfach individuell erlebt wurden. Sie erinnern das Beteiligtsein des einzelnen Rezipienten, der, unter welchen Umständen auch immer, mit dieser Musik, mit dem wachen Geist des Künstlers Theodorakis in Berührung kam und davon nachhaltig geprägt wurde, sie zum Anlass nahm.
Aus einer ungeheuren Ferne rückt Theodorakis’ Biografie sehr nah heran und offenbart ihre Dimension Seite für Seite. Bei jedem Umblättern klingt etwas an. Und so wird der Betrachter nicht nur über das Schauen eintauchen können in diesen Kosmos, sondern er wird auch den Eindruck haben, ein nicht enden wollendes Konzert mit vielen Zugaben zu erleben, eine rege Diskussion, ein ganzes Zeitalter und damit die Tiefendimension von Zeit, in der die Grenze zwischen Hier und Gegenüber durchlässig wird. Wenn jetzt die Phase erreicht ist, die in aller Deutlichkeit einfordert, Wichtiges von unwichtig Gewordenem zu trennen, dann ist dieser Theodorakis-Band eines der Dinge, die der Konzentration auf das Wesentliche dienen. Er vermittelt damit das, was der Musik des Komponisten ihren kräftigen Atem und ihre Leidenschaftlichkeit verleiht: die Idee von der inneren Freiheit.

© Ina Kutulas