Asteris Kutulas – Publikationen in Buchform

(Publikationen & literarische Übersetzungen)

  1. Jannis Ritsos. Poesiealbum, Auswahl von Asteris Kutulas, Übertragen von Hans Brinkmann, Asteris Kutulas, Dirk Mandel, Steffen Mensching, Thomas Nicolaou, Klaus-Peter Schwarz und Klaus-Dieter Sommer; Verlag Neues Leben, Berlin 1983

  2. Mikis Theodorakis. Anatomie der Musik, Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Asteris Kutulas; editions phi, Echternach 1985

  3. Jannis Ritsos. Die Rückkehr der Iphigenie, Übertragen von Asteris Kutulas; Romiosini Verlag, Köln 1986

  4. Mikis Theodorakis. Meine Stellung in der Musikszene – Schriften zur Musik 1952-1984, Herausgegeben, übersetzt und mit Bibliographie und Zeittafel von Asteris Kutulas und Peter Zacher, Mit Anmerkungen von Asteris Kutulas; Reclam-Verlag, Leipzig 1986
    4a) Lizenzausgabe: Röderberg-Verlag, Frankfurt/M. 1987

  5. Jannis Ritsos. Delfi. Mit Originalillustrationen des Autors, Übertragen und mit Anmerkungen von Asteris Kutulas; editions phi, Echternach 1987

  6. Mikis Theodorakis. Die Wege des Erzengels. Autobiographie, Band 1: 1925-1944, Übersetzt und kommentiert von Asteris Kutulas; editions phi, Echternach 1987

  7. Giorgos Seferis. Poesiealbum, Auswahl von Asteris Kutulas, Übertragen von Asteris Kutulas und Steffen Mensching, Verlag Neues Leben, Berlin 1988

  8. Jannis Ritsos. Chrysothemis, Übertragen von Asteris und Ina Kutulas; Romiosini Verlag, Köln 1988

  9. Mikis Theodorakis. Die Wege des Erzengels. Autobiographie, Band 2: 1944-1949, Übersetzt und kommentiert von Asteris Kutulas; editions phi, Echternach 1988

  10. Jannis Ritsos. Das ungeheure Meisterwerk, Übertragen, mit Nachwort, Anmerkungen und einem Interview von Asteris Kutulas; Reclam-Verlag, Leipzig 1988 und Büchergilde Gutenberg, Frankf./M. 1988

  11. Jannis Ritsos. Die Mondscheinsonate. Mit Original-Illustrationen des Autors, Herausgegeben von Udo Tietz und Asteris Kutulas, Übertragen von Asteris Kutulas und Steffen Mensching; editions phi, Echternach 1988

  12. Jannis Ritsos. Monochorde. Mit Illustrationen von Gottfried Bräunling, Übertragen und mit einem Nachwort von Asteris Kutulas; Romiosini-Verlag, Köln 1989

  13. Jannis Ritsos. Der Sondeur. Mit Zeichnungen von Trak Wendisch, Übertragen von Ina und Asteris Kutulas, Mit einem Nachwort von Asteris Kutulas; konkursbuch Verlag, Tübingen 1989

  14. Jannis Ritsos. Halbkreis. Erotica-Gedichte. Mit Illustrationen von Gottfried Bräunling, Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Asteris Kutulas; konkursbuch Verlag, Tübingen 1989

  15. Mikis Theodorakis. Weil er sich nicht Gesetzen beugte ..., Liederheft, Auswahl und Vorwort von Asteris Kutulas; Akademie der Künste, Berlin 1989

  16. Jannis Ritsos. Steine Knochen Wurzeln. Essays und Interviews, Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort und und Werkregister von Asteris Kutulas; Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar 1989

  17. Giorgos Seferis. Alles voller Götter. Essays, Herausgegeben, übersetzt, mit Nachwort, Anmerkungen und Register von Asteris Kutulas; Reclam-Verlag, Leipzig 1989
    16 a) Lizenzausgabe: Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1990

  18. Giorgos Seferis. "Drossel". Mit Original-Illustrationen von Gottfried Bräunling, Herausgegeben und übertragen von Asteris Kutulas; editions phi, Echternach 1990

  19. Jannis Ritsos. Agamemnon. Mit Original-Illustrationen des Autors, Herausgegeben und übertragen von Asteris Kutulas; editions phi, Echternach 1990 (1993)

  20. Konstantin Kavafis. Die Lüge ist nur gealterte Wahrheit. Notate zu Moral und Literatur, Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Asteris Kutulas; Hanser-Verlag, München 1991

  21. Odysseas Elytis. Tagebuch eines nichtgesehenen April. Mit fünf Collagen des Autors, Übertragen und mit einem Nachwort von Asteris Kutulas; Romiosini Verlag, Köln 1991

  22. Mikis Theodorakis. Die Wege des Erzengels. Band 3: Der Alptraum, Übersetzt und kommentiert von Asteris Kutulas; editions phi, Echternach 1992

  23. ausdrückliche klage aus der inneren immigration. texte und grafiken aus der ddr, herausgegeben und mit einem nachwort von asteris kutulas und udo tietz; editions phi, Echternach 1992

  24. Nikos Engonopoulos, Poet’s corner 18 (deutsch-griechisch), Ausgewählt und herausgegeben von Asteris Kutulas, Übertragen von Ina und Asteris Kutulas; Unabhängige Verlagsbuchdlg. Ackerstraße, Berlin 1993

  25. Odysseas Elytis. Der Duft des Mittagsmahls, Übertragen von Asteris Kutulas, Illustration: Fränz Dasbourg, editions phi, Luxembourg 1993

  26. Konstantin Kavafis. Die vier Wände meines Zimmers, Verworfene und unveröffentlichte Gedichte, Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Asteris Kutulas, Übertragen von Ina und Asteris Kutulas; Hanser-Verlag, München 1994

  27. Mikis Theodorakis, Die Metamorphosen des Dionysos. Libretto & andere Texte, Mit neun Collagen und einem Text von Ina Kutulas, Herausgegeben, übersetzt und mit einem Essay von Asteris Kutulas, Romiosini Verlag, Köln 1995

(Überarbeitete und gekürzte Zusammenfassung der Titel Nr. 6 & 9 & 21:) 27. Mikis Theodorakis, Die Wege des Erzengels. Autobiographie 1925-1949, Herausgegeben und übersetzt von Asteris Kutulas, Insel Verlag, Frankfurt/M. & Leipzig 1995
27 a) [Taschenbuchausgabe], suhrkamp taschenbuch, Frankfurt/M. 1998

  1. Giorgos Seferis, Sechs Nächte auf der Akropolis, Herausgegeben und mit einem Nachwort von Asteris Kutulas, Übersetzt von Asteris und Ina Kutulas, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1995

  2. Mikis Theodorakis – A.R.Penck, Das Meer, der liebe Gott und das Muli (deutsch-griechisch), Mit neun Original-Siebdrucken von A.R. Penck, Übersetzt und mit einem Nachwort von Asteris Kutulas, Herausgegeben von Asteris Kutulas und Gottfried Bräunling, Mit einer CD von Mikis Theodorakis (Macbeth) und einer Kleinplastik von Gottfried Bräunling, GB edition – Asti Music, Hohenöllen 1995

  3. Odysseas Elytis, Köder für Niemand, Mit Original-Illustrationen von Gottfried Bräunling und Fränz Dasbourg, Übertragen von Asteris und Ina Kutulas, editions phi, Echternach 1996

  4. Mikis Theodorakis, Siao und andere frühe Gedichte, Illustrationen von Gottfried Bräunling, Übersetzt von Asteris Kutulas, Herausgegeben von Asteris Kutulas und Gottfried Bräunling, GB edition, Hohenöllen 1996

  5. Jannis Ritsos, Deformationen. Gedichte, Texte, Interviews & Begegnungen 1930-1990, Herausgegeben, übersetzt und mit einem Essay von Asteris Kutulas, Übertragen von Asteris und Ina Kutulas, Romiossini Verlag, Köln 1996

  6. Gottfried Bräunling, Übermalungen, Mit 12 Notaten von Asteris Kutulas, edition GB 1996

  7. [auf griech.:] Asteris Koutoulas, Der Komponist Mikis Theodorakis. Texte - Werkverzeichnis – Kritiken (1937-1996), Livanis Verlag, Athen 1998

  8. [auf griech.:] Asteris Koutoulas, Der Komponist Mikis Theodorakis. CD-ROM, Livanis Verlag, Athen 1999

(Nichtbibliophile Veröffentlichung des Titels Nr. 11) 36. Jannis Ritsos. Die Mondscheinsonate. Übertragen von Asteris Kutulas und Steffen Mensching; Dielmann Verlag, Frankfurt am Main 2001

(Überarbeitete Fassung der Titel Nr. 3 & 8 & 18:) 37. Jannis Ritsos, Die Rückkehr der Iphigenie. Monologe, Mit Fotos von Steinzeichnungen des Dichters, Übertragen und mit einem Nachwort von Asteris und Ina Kutulas, Inselbücherei, Insel Verlag, Leipzig 2001

  1. Mikis Theodorakis, Bis er wieder tanzt – Ein Kreta-Roman, Herausgegeben von Asteris Kutulas, Übersetzt von Asteris und Ina Kutulas, Insel Verlag, Frankfurt am Main 2001

(Überarbeitete und erweiterte Fassung des Titels Nr. 23:) 39. Nikos Engonopoulos, Unterhaltungen mit dem Fahrer verboten. Gedichte aus dem griechischen Surrealismus, Ausgewählt und herausgegeben von Asteris Kutulas, Übertragen von Asteris und Ina Kutulas, Dielmann Verlag, Frankfurt am Main 2001

  1. Mikis Theodorakis, In den paradiesischen Gärten meines Schädels, Gedichte und Texte (deutsch-französisch), Herausgegeben von Guy Wagner und Asteris Kutulas, Ins Deutsche übertragen von Asteris & Ina Kutulas, editions phi, Echternach 2001

  2. Konstantin Kavafis, Familie Kavafis, Herausgegeben und mit einem Nachwort von Asteris Kutulas, Übertragen von Asteris und Ina Kutulas, Dielmann Verlag, Frankfurt am Main 2002

  3. Gert Hof, Leasing The Sky, The Greatest Light Monuments On Earth, Gesamtgestaltung, Layout und mit einem Nachwort von Asteris Koutoulas, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2006

  4. Jannis Ritsos. Hommage. Mit Grafiken von Gottfried Bräunling, Gedichte aus den "Monochorden", Aus dem Neugriechischen übertragen von Asteris Kutulas, Redfoxpress, Irland 2009

  5. Asteris Kutulas, Mikis Theodorakis - Ein Leben in Bildern, Herausgegeben, ausgewählt und mit Interviews von Asteris Kutulas, Schott, Mainz 2010

  6. Dionisis Karatzas, Selbstmord des Reservemonats. Griechische Gedichte über das Meer und die Liebe, Ausgewählt und Herausgegeben von Asteris Kutulas, Aus dem Griechischen von Ina und Asteris Kutulas, Zeichnungen von Trak Wendisch, Edition Raute, Görlitz 2010


Redaktionelle Arbeit

  • Gert Hof, Aufbruch aus Licht und Feuer, Ferropolis-Event, Text-Redaktion Asteris Koutoulas, Expo 2000

  • Gert Hof, Obsessions, The world's greatest light monuments, Redaktion Asteris Koutoulas, Eichborn Berlin 2003

  • AIDAdiva - A ship of light. Directed by Gert Hof (Programmheft), Redaktion Asteris & Ina Koutoulas, April 2007


Die Besprechung von Horst Möller zu meinem Buch "Mikis Theodorakis - Ein Leben in Bildern:

Ob er im Frack eine gute Figur gemacht hat, ist anhand des Fotos im Halbprofil nicht zu erkennen. In ihr an seiner Seite – excusez-moi Madame – ist die Frau von Welt allerdings beim besten Willen nicht zu erahnen. Das Foto zeigt die beiden anlässlich der Premiere seines Antigone-Balletts am 19. Oktober 1959 in The Royal Opera House Covent Garden LTD. Mikis Theodorakis im Frack und mit Antigones Botschaft „nicht mit zu hassen, nein, mit zu lieben bin ich da.“ In London. Fünfzehn Jahre nachdem die Briten unter Churchill in Athen mit Panzern und Bombern die Volksbewegung niedergezwungen und den Kollaborateuren Hitlerdeutschlands zur Macht verholfen hatten. Einer der Gefolterten, erst im Krieg gegen die Deutschen, dann im darauffolgenden Bürgerkrieg war er selber. Auch wenn er in London im Frack eine gute Figur gemacht haben sollte, war in Athen zu dieser Zeit noch immer anderes vonnöten, um mit dieser Botschaft Antigones von den eigenen Landsleuten gehört zu werden. Und er ist von ihnen in den Folgejahren in einer Weise gehört worden, dass ihn nach 1967, nach ihrer Machtergreifung, die Verächter seines Volkes wiederum folterten. Aus der heutigen lähmenden Teilnahmslosigkeit heraus ist die seinerzeitige, über die Ost-West-Barrieren überschwappende Woge der Solidarität, namentlich auch unter der Künstlerschaft, zwar nur noch schwer begreif-, durchaus aber erklärbar. Nachdem Theodorakis seinen Schergen entronnen und in Paris war, verband sich mit ihm wie kaum mit einem anderen die Hoffnung auf Zugewinn von Freiheit, weltweit. Zwischen Oktober 1971 und November 1973 verzeichnet der Sängerstar Petros Pandis 270 gemeinsame Konzerte rund um den Erdball, allerdings ohne den Ostblock, der sich vom Eurokommunisten bedroht sah. Dem Buch ist – zusammen mit zwei CDs – als DVD beigegeben die Erstveröffentlichung des Fernsehmitschnitts der chilenischen Premiere vom „Canto General“ am 23. April 1993 im Teatro Monumental von Santiago. Zwanzig Jahre nach der ursprünglich geplanten Uraufführung wird der Atem, der von diesem Oratorium ausgeht, noch einmal manifest. In vollem Einklang mit diesem monumentalen Werk und an Eindringlichkeit nicht zu überbieten steht, was Theodorakis als inzwischen Fünfundachtzigjähriger unbeirrt mit kargen, bitteren Worten darüber zu sagen hat, dass das Foltern (in Guantánamo) noch immer nicht aufhört.
Ein beglückendes Buch liegt vor, mit dem sich Asteris Kutulas der enormen Herausforderung gestellt hat, Theodorakis gerecht zu werden. Seine Leipziger Lehrer (Claus Träger, Walfried Hartinger) hätten diese Publikation gewiss mit größter Genugtuung entgegengenommen, ungeachtet dessen, dass aus dem gelernten Literaturwissenschaftler nun gleichsam der Anton Schindler von Mikis Theodorakis geworden ist. Beethovens „Geheimsekretär – ohne Gehalt“ attestierte man, dass keine noch so gute Biografie je wieder die Unmittelbarkeit würde einfangen können, die seine Darstellung so lebendig macht, noch weniger aber den Funken, der mehr als einmal vom Genius auf den Adlatus übergesprungen sei. Als sein „Adlatus“ hatte sich Asteris Kutulas bereits 1986 bestens ausgewiesen durch die Publikation musikologischer Schriften des Meisters im Reclam-Verlag. In den Folgejahren hat er das ausufernde Oeuvre (mit den bedeutenden Editionen bei Breitkopf & Härtel) erfasst und unter dem Sigle AST geordnet. Bei der vorliegenden Biografie rückt er in den Mittelpunkt, wodurch der weltberühmte Grieche sowohl im Künstlerischen als auch im Politischen umstritten ist. Die Selbstauskünfte, die hierzu zu lesen sind, resultieren aus Befragungen der unbequemeren Art. Unbequem in einer Weise, wie der Befragte seinem „Adlatus“ gelegentlich einer Diskussion mit Studenten in der Moritzbastei einst selber gekommen war mit den Worten: wenn ich hier leben müsste, wäre ich entweder im Gefängnis oder tot. Anders als Klartext zu reden versteht ein Theodorakis nicht. Ebenso klar artikuliert der Sirtaki seines Zorbas, mit dem er oft gleichgesetzt (oder gar: auf den er gern reduziert) wird, nach dem grandiosen Scheitern ein Nun-erst-recht. Die triumphalen Erfolge, auf die Theodorakis zurückblicken kann, werden vornehmlich durch die faszinierende Fotoauswahl dokumentiert (unnachahmlich, wie sich Theodorakis und Anthony Quinn am 29. Juli 1995 beim Konzert auf dem Königsplatz in München in die Arme werfen). Die Selbstzeugnisse korrespondieren mit den – leider nicht auf einen Blick erfassbaren – Äußerungen einer beeindruckenden Phalanx prominenter Mitstreiter (darunter ein explosives Gespräch mit Joseph Beuys). Dieses Buch ist ein Ereignis, es bezeugt bleibende Wirkungsmächtigkeit.

© Horst Möller,


Die Besprechung von Danae Coulmas für die Griechenland-Zeitung:

Eigentlich blättert man einen üppig bebilderten Fotoband zunächst durch, bevor man mit der Lektüre der, ebenso reichhaltigen Texte beginnt. Ich aber legte zunächst eine der beigelten CDs auf, und so war zuerst die Musik da, Musik unseres Lebens. Erst dann öffnete ich das Buch, konnte Mikis begegnen, in historisch bedeutenden Fotos, in ästhetischen Bildern von seltener Qualität; einige kamen mir unbekannt vor, das letzte war bewegend: Mikis Theodorakis auf der Überfahrt von Chios (Griechenland) nach Tschesme (Türkei), zu einem griechisch-türkischen Konzert, 2005 ( einem der vielen, die er und sein türkischer Kollege Livaneli schon in Zeiten, wo so etwas fast undenkbar war, gegeben haben). Grauhaarig, gealtert, ungemein präsent, die Augen auf das zu erreichende Ufer gerichtet – so begegne ich diesem Blick –, zugleich zurückblickend auf die Geschichte seines Landes, die ihm unendlich viel Leid brachte: Krieg und Besatzung, Hungersnot und Krankheit, Widerstand, Verhaftung, Bürgerkrieg, Deportation, Flucht, immer aufs neue, bis hin in die Jahre der Obristendiktatur. Der Blick auf Seite 159 ist traurig, nachdenklich und scharf. Wissend. Wissend um die Entscheidung für die Freiheit, immer aufs neue. Und dass seine Musik mit ihr und für sie entstand, im äusseren und persönlichen Chaos. An Stelle eines Nachworts spricht er selbst einige erstaunliche Worte hierzu:
„Und wenn meine 85 Lebenjahre tatsächlich viele und verzehrende Jahre waren, so habe ich trotzdem den Eindruck, dass diese Zeit – so, wie ich sie mit und vor allem für die Musik gelebt habe – schliesslich doch sehr kurz war“. Athen, am 17. März 2010. Musik unseres Lebens - Wir ahnten es. Als wir zum Epitaphios von Jannis Ritsos plötzlich eine Bousoúki als Begleitung hörten, dem Instrument aus der Rebetiko-Szene, dem Proletariat der Städte, und das Klagelied der Mutter nicht von der vogelklaren Stimme einer Nana Mouschouri zu hören war, sondern von der rauen Stimme eines Jungen aus dem Volke, Grigoris Bithikotsis. Als das Axion Esti von Odysseas Elytis – Ursprung, Geschichte, Passion Griechenlands – teilweise von Mikis vertont, „zur Bibel des griechischen Volkes wurde “. Als Texte selbst von Seferis und vielen anderen, „schwierigen“ Dichtern und Nobelpreisträgern, in Mikis´ Vertonung von jedermann auf der Strasse gesungen wurden, wie hierzulande Schlager und, einzigartig in Europa, die Grenzen zwischen populärer Musik und „hoher“ Kultur wegewischt waren. Als Sorbás von Kasantzakis – Jahrzehntelang stellte er den „Griechen“ dar - im Film von Kakojannis der ganzen Welt das Tanzen beibrachte, mit den congenialen Schritten von Anthony Quinn zum Jahrhundert- Rhythmus von Theodorakis: Sirtaki! Als dann jene anderen, zum Tode führenden Schritte von Yves Montant, im Film von Gavras „Z“ zu Klängen von Mikis die Welt aufrüttelten, als kündigten sie von der Selbstverständlichkeit der Gerechtigkeit... Immer dann wussten wir es, das war die Musik unseres Lebens. Auch während der Jahre der Junta, als sie in Griechenland verboten, aber auch dort am meisten gehört wurde , da kein Tag verging, ohne dass seine Lieder über die Auslandssender – so durch die Deutsche Welle aus Köln - nach Griechenland gesendet wurden. Neben dem kritischen Wort in jeder Sendung war diese Musik, eine der wichtigsten Waffen gegen die Obristen. Umfassend die ganze Welt, so mit Pablo Neruda und dem Canto General. General, d.h. allgemein, jeden angehend, auch diejenigen, die unter keiner Diktatur lebten, dafür mit einer „Kulturrevolution“ unterwegs waren, von Berkley bis Paris, bis Berlin...
Ein opulenter Bildband - Herausgeber und Verlag haben „einen opulenten Bildband über Leben und Werk des Künstlers“ geschaffen. 300 Abbildungen auf 160 Seiten bilden den optisch-expressiven Teil: Mikis´ Gesicht, Mikis Bewegungen, Kindheitsbilder und die eigene Familie, Situationsbilder mitten in den politischen Wirren, im Gefängnis, auf Deportation, in der Freiheit, und immer wieder hoch auf der Bühne dirigierend, das Gesicht, immer anders, die auslandenden Armbewegungen, immer gleich... Sein Singen, hörbar. Porträts von anderen, allein oder mit ihm, von Freunden über all in der Welt, Künstlern, Politikern, Revolutionären, Regierenden... Platten, Plakate, Partituren...
Aber Ein Leben in Bildern ist mehr als sein Titel verspricht. Es ist auch textuel die Erzählung eines Lebens und die detaillierte Präsentation eines Werkes. Es enthält eine beachtliche Dokumentation aller kompositorischen Phasen von Theodorakis, berücksichtigt, was selten geschieht, den weniger bekannten Teil seiner symphonischen Musik, begleitet den jeweiligen Zeitabschnitt Bilder und Texte mit der Chronologie der Werke – in gelungenem Layout. Und stellt als durchgehenden Corpus grosse Abschnitte aus der Autobiographie von Mikis Theodorakis. So kann man neben der durch die Bilder vermittelten Unmittelbarkeit auch in die Nähe dieses „Ich“ gelangen und sein verzehrendes und grossartiges Schicksal erfassen. Das Leben eines Griechen und seines Engagements für die Welt. Unter einigen anderen Zeugnissen, erfährt man in einem langen Gespräch mit Asteris Kutulas interessanten Details, so die Antwort von Theodorakis auf die Fragen nach seiner politischen Gesinnung.
Canto greco – canto general... - Asteris Kutulas beschäftigt sich seit fünfundzwanzig Jahren mit Theodorakis und seinem künstlerischen Werk. Er ist sein Promotor, Organisator von Konzerten, Produktionen, Herausgeber, Übersetzter seiner Texte und, nicht zuletzt, Hersteller eines Werkverzeichnisses. Ein Freund und Vertrauter. Er ist ein Liebender, dessen Augen jedesmal leuchten, wenn er z.B. eine CD auflegt und daraus einem ein Lied von Mikis vorspielt, als hörte er es zum erstenmal. Was wollte er mit diesem Buch? Ich darf aus seinem letzten Brief, zum Buch zitieren: „... ich wollte nicht nur die Vergangenheit zusammenfassen, nicht nur einen wichtigen Aspekt griechischer und europäischer Musikgeschichte dokumentieren, sondern die unglaubliche "Energie", die von diesem Phänomen Theodorakis ausgeht, und die etwas Zeitloses, also auch Zukünftiges, Überdauerndes hat, kenntlich machen“. Es ist ihm gelungen. Denn man kann dieses Buch auch so lesen, als die Darstellung eines zeitlosen „Phänomens“, dessen Kraft uns erreicht und umfasst wie die ausholenden, umrundenden, zurückholenden Bewegungen von Theodorakis selbst, wenn er dirigiert.
Das Buch ist das Ergebnis eines langen archivarischen Stöberns, Sammelns, Auswählens, mit trefflichen Akzentuierungen. Zuletzt im Haus von Mikis Theodorakis, wo Asteris und Ina Kutulas auch privates Material ansehen durften. Was zweifellos zum emotionalen Teil ihrer Arbeit gehört: sie sprechen von „heiligen Stunden“.
Wir Älteren verbrachten in der Nähe von Mikis vielleicht nicht „heilige“, doch aber hohe Stunden der Begeisterung und der Hoffnung. Als er mit seiner Präsenz, seine Musik, sein Lachen, uns die Angst nahm, dass Griechenland, Europas erste westliche Nachkriegsdiktatur, das Schicksal von Spanien und Portugal haben könnte. Seine Konzerte in Deutschland waren internationale Ereignisse, erzeugten eine ungeahnte Solidarität. Mikis dehnte sie aus bis Mitternacht, danach, suchte er in einem Gasthaus nach einem Klavier. Und dann spielte er bis zum Morgengrauen, er sang, und wir sangen. Als wären Musik und die Freiheit eine Einheit, ein Kontinuum, ein einziges Lied. Ein Lied für alle. Canto Greco.

© Danae Coulmas, Juli 2010