Skizzen zu einem Romanentwurf


Die Ermordung Hypatias
- ein Untersuchungskommissar bekommt vom Kaiser die Order, den Fall aufzuklären - dessen Berichte fallen mir jetzt während einer Recherche in die Hände - da ich mit meinem Projekt gescheitert bin, veröffentliche ich das Material, weil ich es als kulturgeschichtlich interessant empfinde - im Anhang auch das unfertige Stück

Modernes Szenarium zu einem alten Fall
a) eine Sekte sucht nach einer Heiligen
b) der "Vorstand" beauftragt einen Mönch oder Wissenschaftler oder Journalisten oder Gelehrten, einen Bericht anzufertigen
c) dieser Gelehrte schreibt ein Tagebuch/Bericht, reist nach Griechenland und Alexandrien, um Materialien usw. zu finden
d) sein Material wird gefunden: Prozessakten, Briefe, Monologe etc. (historisch belegt)
e) drittens der heutige Herausgeber: ich
Hellenismus in Alexandrien durch Olympios neu begründet
- er verehrte Sarapis - er versuchte, Zerstörung des Serapions zu verhindern und sagte voraus, dass Serapis den Tempel verlassen werde

Neuplatoniker schämen sich, dass sie in einem Leib leben müssen (siehe Platons "Phaidon")

Mystizismus der neuplatonischen Seite…

Lehre von der Seelenwanderung, daraus: Glaube an Wundererzählungen…

das Unreine in der Welt des Werdens ablehnen: "so oft er daher eine unreine Frau irgendwie oder von irgendwelcher Richtung her sprechen hörte, hatte er sofort Kopfweh, und hierin erblickte er ein Zeichen dafür, dass sie die Periode hatte"

einer, der seine Frau mit einem Hausfreund erwischte, gab ihm seine Frau und seinen ererbten Grundbesitz und zog nach Lydien, um sich der Philosophie zu widmen

Proklos hing nicht am Leben, darum heilte ihn Askleipios nicht von seiner letzten Krankheit – er wollte unbedingt sterben

Ist Hypatia lesbisch? (Sappho-Nachahmerin, was ganz Seichtes?)

Christentum: "grenzenlose Finsternis"

3 Lebensverfassungen:
- der Vernunft gemäß (goldenes Zeitalter/Dichter) - dem Zorn gemäß (Krieg/Ruhm) - der Begierde gemäß: "Sie zerfließt nach allen Seiten und ist von zügelloser Üppigkeit verderbt; ihr Denken ist niedrig und weibisch, sie hält es mit der Feigheit und wälzt sich in jeglicher Art von säuischem Wesen; sie ist geldgierig und kleinlich und läßt sich bloß, um sicher zu sein, freiwillig knechten, sie bringt es zu keiner ehrenwerten und freien Tat, sie hat etwas Sklavisches und Schwächliches an sich, sie bemißt die Glückseligkeit stets nach dem Bauche und den Schamteilen und ist keines edlen Zornes fähig. Sie gleicht einem erschlafften Körper, welcher an einem und demselben Platze entnervt liegen bleibt und sich nicht einmal rühren kann."

die vernunftgemäße Lebensverfassung: in Serapion als Einsiedler (Lehren des Orpheus)

gegen gewöhnliche "Erwerbsmenschen": gegen christliches Leben Leben der Mönche: säuisch

Hypatia versucht etwas zu vermitteln, das nicht zu vermitteln ist und das nicht vermittelt werden will. Zudem: das sie gar nicht vermitteln kann.

„Ich gehöre nicht zu den Dutzendphilosophen.“

Das ganze in Romanform, weil der Erzähler/Berichterstatter des Kaisers das ganze noch ironisch brechen können sollte!
Nahe an tatsächlichen Quellen bleiben ...
Die Hauptgeschichte Hypatias wird von jener Synesios’ gekreuzt (Briefe)

Synesios’ Bruder wurde später (zur Zeit des Berichts?) zum strengsten Vertreter der Orthodoxie (auf Seiten Kyrills)
- dabei wichtig: neuplatonische Geheimniskrämerei, nicht an die Öffentlichkeit (verächtlicher Aristokratismus) - Mystizismus ebenso auf der andern Seite (das "andere Volk", "die große Menge")


Was? Was machen die da hinten? Dieser Lärm immer. Und die Fragen: Ach das wissen Sie nicht? Sie wissen es wirklich nicht? Und der Glaube. Nur lachen kann man, hatte er gesagt, schon wenn ich das Wort höre. Warum das alles? Wozu? Ich mag es nicht, wenn immer wieder alles zerstört wird. Ich hasse Leute, die zerstören. Wie kann man das alles nur kaputtmachen?

© Asteris Kutulas, 1985


hypatia

ein kammerstück mit blutigen ausgängen

ort: alexandrien, caféhaus, im hintergrund das serapion

1.szene
(im vordergrund zwei kleine tische mit je zwei stühlen. krankenpfleger / parabolen – von priestern ausgebildete krankenpfleger – beschäftigen sich im hintergrund mit dem gerüstbau um die heilige stätte. mönche beaufsichtigen die arbeiten.)

epiphanios: immer dieser lärm! was machen die da hinten?

stylit (steigt von seiner säule): ach, das wissen Sie nicht?

epiphanios: Sie kommen da runter?

stylit: mein glaube bleibt oben. mein glaube und ich halten es schon 24 tage aus auf dieser säule. das serapion wird zerstört, gott serapis muß sich ein neues heim suchen.

epiphanios: warum das? ich hasse leute, die zerstören. ich mag die, die erhalten.

stylit: wir erhalten, indem wir zerstören. ich kann das beurteilen von dort oben. kaiser theodosius hat alle heidnischen kulte verboten. nur noch die christliche religion ist erlaubt.

epiphanios: der ist ein narr. wie kann man serapis verbieten! das ist doch ein intellektueller gott.

stylit: und das christentum ist eine materielle gewalt. sie hat alle ergriffen. die massen strömen uns zu. ich kann das gut sehen von dort oben.

epiphanios (zu cavafius): hörten Sie schon? die neue theorie hat das volk erfaßt und erneuert.

cavafius: hören Sie auf! Sie sind ein ignorant. die neue theorie ist nicht neu, sondern auch sie inzwischen von ihren wurzeln entfremdet.

stylit: aber das volk denkt da anders. eine sich liebende menschengemeinschaft entsteht. und Sie sagen, das sei nicht neu.

cavafius: nein, es ist wie immer.

stylit: gehen Sie auf den markt, hören Sie, worüber sich die menge unterhält. man will ein kilo tomaten und der händler fragt einen, welche meinung man zur dreieinigkeit gottes hat.