„Jeden Tag werde ich umgebracht...“

Für Christa Wolf

„NUR WER KONFLIKTE KENNT, HAT ETWAS ZU ERZÄHLEN“ Tagebucheintragungen zur „Kassandra“ von Christa Wolf


16.02.84, Berlin, Café Friedrichstraße
Gestern beschäftigte ich mich in der Staatsbibliothek vorwiegend mit der Real-Enzyklopädie: Tauris, Artemis etc.; habe äußerst interessante Feststellungen gemacht. Besonders eine: die Verschmelzung der arkadisch-lakonischen Festlandsreligion und deren Artemis, die fraulich-mütterlichen Charakter besaß (Schutz der Gebärenden, der Jugend etc.), mit der Letoidenreligion des ionischen Kleinasiens (besonders jener der Insel Delos), derzufolge die beiden Kinder der Leto (Artemis und Apollo) als Kriegs- und Handelsgötter angebetet wurden, entsprechend der Seefahrerideologie der kleinasiatischen Bewohner.
Resultat: Heterogenität bei Homer, der die beiden sich widersprechenden Theorien aufeinanderprallen lässt und sich letztendlich für die Lesart der jungfräulichen Artemis entscheidet. Somit Verschiebung der Vorstellung von Artemis als Gattin des Zeus (die ihn eigentlich beherrschte: Matriarchat) hin zur Vorstellung von Artemis als Schwester des Apoll und Tochter des Zeus (? patriarchalische Machtverschiebung). Nebenbei festgestellt: Fehler Goethes bezüglich Tauris; Stadt/Insel in der Adria ...

Während der Mythos in den letzten 2000 Jahren überhöht und immer als solcher „symbolisiert“ und „allegorisiert“ verwendet wurde (bis hin zu Brecht, den Franzosen etc.), ist jetzt mit Peter Weiss, Christa Wolf und natürlich bei Jannis Ritsos eine Tendenz – nicht nur zur „Entmythologisierung“, sondern vor allem hin zu einer Verpflanzung des Mythos in alltägliche, heutige Konstellationen festzustellen. Die „Brisanz“ besteht in der neuen Sicht auf Mythologie, in deren stark psychologisierenden Lesart, in deren „politischer“ Literarisierung (eine Art moderne „Renaissance“). Letztendlich dient die Rezeption der Antike allen drei Autoren als theoretische Verarbeitung ihrer Sehnsucht nach einer gerechten Gesellschaft und gleichzeitig als Verarbeitung ihrer Einsicht, daß im realen Sozialismus diese Utopie gescheitert ist, daß der endgültige „Sprung der Menschheit aus dem Reiche der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit“ noch nicht geschafft wurde. Was sich ausspricht in den Texten dieser drei „linken“ Autoren, ist die tiefe Melancholie, die sich offenbart über den „antiken Umweg“, wie Aragon mal treffend formulierte.
Die Denkmuster seien noch die gleichen, so die Einschätzung. Christa Wolf schreibt: „Mein Anliegen bei der Kassandra-Figur: Rückführung aus dem Mythos in die (gedachten) sozialen und historischen Koordinaten.“ (142) „Das Troja, das mir vor Augen steht, ist – viel eher als eine rückgewandte Beschreibung – ein Modell für eine Art von Utopie.“ (108) Also ein neues „matriarchalisches Gesellschaftskonzept“ als sozialistische Utopie? „Mir ist bewußt, daß mein Rückgriff in eine weit, ur-weit zurückliegende Vergangenheit (der beinahe schon wieder zum Vor-Griff wird) auch ein Mittel gegen diese unauflösbare Trauer ist, die Flucht zurück als eine Flucht nach vorn. Eigenartige Selbstbeobachtung, daß die Einsicht, Menschen und Verhältnisse seien in dreitausend Jahren nicht sehr weit aus sich und über sich hinausgelangt, eher in Gelassenheit mündet als in Hoffnungslosigkeit.“ (94)
„Prophetenglaube ist, denke ich, größtenteils Glaube an die Kraft des Wortes ... Die Zentrierung um den Logos, das Wort als Fetisch – vielleicht der tiefste Glaube des Abendlandes, jedenfalls der, dem ich inbrünstig anhänge.“ (23) Christa Wolfs Programm: „... die Fragen zu stellen, die Kassandra aus Mythos und Literatur herauslösen können“. (23)
Wie ein roter Faden durch das ganze Buch: Problem der Alternative. Denn: „... es wächst das Bewußtsein der Unangemessenheit von Worten, vor den Erscheinungen, mit denen wir es jetzt zu tun haben“. (110) „In Troja aber, das glaube ich sicher, waren die Leute nicht anders, als wir es sind. Ihre Götter sind unsere Götter, die falschen. Nur sind unsere Mittel nicht ihre Mittel gewesen.“ (122) Die DDR als ein mythologisch gewandetes Troja.

21.2.84, Berlin, Café Friedrichstraße
Weiter bei Christa Wolf: „Kassandra erfährt bis auf den Grund, was es heißt, zum Objekt fremder Zwecke gemacht zu werden. Zunehmend entzieht sie sich dann dem Dienst an den Ihren, der sozialen Maschinerie, in die sie eingebaut ist ... Ihre innere Geschichte: Das Ringen um Autonomie“ (151). Für Wolf ganz wichtig: „Alternativen“ & „Autonomie“. Das Herauslösen aus der realsozialistischen Wirklichkeit und der Glaube, daß es auch „anders“ geht.
Und sie wird deutlicher: „Zu zeigen, wie die historische Kassandra, von der ich ausgehe, und ihre historische Umgebung durch Ritual, Kult, Glauben und Mythos gelenkt werden, während für uns das gesamte Material „mythisch“ ist ... Ich sehe sie nüchterner, sogar mit Ironie u. Humor. Durchschaue sie. Dann stürzte ihre Umgebung auf mich ein: ihre Freundinnen, ihre Familie. Ich muß sie ja kennen. Stelle fest: Ich „kenne“ sie, schon lange. Immer mehr Abstraktionen füllen sich mit Fleisch u. Blut, mit Gesichtern, Gesten.“ (152) Dann der Sprung: „Schlüsselerzählung“ statt „Lehrstück“ (152).

Ich glaube nicht, daß Wolf wirklich interessiert, wie „Kassandra war, bevor andere über sie schrieben“. Das Buch, das ich lese, erzählt etwas anderes: Eine Frau spricht sich aus, die nichts mit dem „dunklen Jahrhundert“ von vor 3.000 Jahren, wohl aber alles mit Christa Wolf Anfang der 80er Jahre zu tun hat.

Gespaltenheit. Schein, Ideal/Wirklichkeit. Pathos. Alternative. Aineias, Resultat: Beischlaf.

27.2.84
„Kassandra“ ausgelesen. Ein atemberaubendes Buch, emotional packend dazu, das mich sprachlos macht. Mein Inneres vibrierend - ich schwanke zwischen Lobeshymnen und Ablehnung. Ein unverschämt gutes Werk ...

21.8.84, im Flugzeug nach Athen
„Kassandra“ (Vorlesung + Erzählung) läßt mir keine Ruhe: Irgendwie okkupiert Wolf durch ihren genialen Wurf die ganze Antike, sie läßt „mir“ keinen Raum. Sie ist gerade „in“ – in beiden deutschen Staaten, sie tritt eine gewisse Nachfolge in den permanenten Mode-Welten an, die von Kritik und kleinbürgerlich-moralistischen Befindlichkeiten getragen werden. Vielleicht ohne es zu wollen, schafft sie mit der „Kassandra“ eine programmatische („Schlüssel“-)Erzählung, die dadurch wie ein Dogma wirkt. Besonders in den Vorlesungen wird dieser Allein-Anspruch deutlich: Wenn man ideologisch und patriarchalisch nicht infiziert sei, müsse man ja die Antike so verstehen wie sie: als reale Geschichte, doch (vertane) Chance, in einer von Frauen (weiblich) regierten Welt friedlich, harmonisch und naturverbunden zu leben. Das, was mich dabei am meisten verblüfft, ist ihr niemals revidierter Anspruch, über jene Kassandra zu schreiben, die jeglicher interpretatorischen Sicht entbehren soll, also über die historische Kassandra, „so, wie sie wirklich war, bevor man über sie schrieb“. Völlig klar jedoch ist, daß sie nur über eine Kassandra von 1981/82 schreiben konnte. In diesem schizophrenen Widerspruch liegt das Konfliktpotential des Buchs... - die „Inbeschlagnahme“ der Antike. Immerhin. Bei alldem interessiert mich persönlich allein die Frage: Wie kann ich heute über „Delfi“ schreiben? Natürlich ist meine Ausgangsposition anders als für einen, der das Land der Griechen mit der Seele suchen und finden muß. Die Hervorhebung der existenziellen Bezüge steht für mich an erster Stelle. Das Immer-mehr-in-die-Vergangenheit-Fliehen von Wolf, das Fliehen in die Romantik, die Vor-Antike, das Auf-metaphorische-Weise-Bewältigen von aktuellen Problemen ist für mich nicht relevant. Was aber dann?

22.08.84, Athen, Akropolis
Auch die Ermordung der beiden Kinder durch Medea als Rache an ihrem Mann ist nur als Verzweiflungsakt einer einst über den Mann herrschenden Frau zu begreifen. Allein aus dieser Macht-Agonie heraus ist die Schlachtung zu verstehen, in ihrer Brutalität viel elementarer, weil selbstzerstörerischer als die der Männer. Vielleicht ist die Selbstzerstörung der brutalste Widerstand, der existiert.

Bei Christa Wolf manipulatorisch-unhistorisches (da „politisches“) Herangehen. Beispiel: Frauen auf Kreta als direkte Nachfahren Kassandras zu sehen ? die vor-antike Verwurzelung als allgemein-gültige anzuerkennen ... Wo bleiben der Einfluß Byzanz’, wo die besondere Rolle des Christentums und der orthodoxen Kirche, wo (vor allem) der Einfluß der 400jährigen osmanischen Herrschaft? Hier wurde eine direkte Beziehung konstruiert, die auch als Modellfall nicht anzunehmen ist. Das eigentliche Problem beginnt allerdings erst dort, wo Christa Wolf all das nicht als Kunst, sondern als Vorlesung mit wissenschaftlichem Anspruch, der klar ausgesprochen wird, postuliert. Da wird’s spekulativ. Auf der anderen Seite geht’s ja im Kern weder um Kunst, noch um Wissenschaft, sondern um Wolfs „Verzweiflung“ und tiefe Melancholie. Es geht um die DDR, wie sie ist (Kein Ort. Nirgends) – und wie sie sein sollte. In dieser Hinsicht ist „Kassandra“ ein einmaliges Buch.

03.05.86, Zug Berlin-Greifwald
- auf der einen Seite geht es immer um das eigene Verständnis der Vergangenheit, abhängig von der Gegenwart und von der Persönlichkeit des Schriftstellers (siehe Goethes „falsches Verständnis“ von der Antike) - auf der anderen um die historische Situation an sich, deren wissenschaftliche Analyse, die sich abers ständig wandelt (unterschiedliche Interpretationen)

17.05.86, Berlin
Christa Wolf schafft ebenfalls „bürgerliche Verhältnisse“ bzw. gelangt zur „bürgerlichen Auffassung“ eines Thomas Mann, imprägniert mit Schopenhauers Pessimismus / gegen Blochs Utopie-Konzeption
Problem der „Wiederholung“ von Archetypen etc. (Antike-Rezeption), vgl. Ritsos

Schluß bei Wolf: Löwentor bei Ritsos

Ich suche vergeblich ein auch nur annäherndes Bild von Griechenland, von dem, das ich kenne, von den Menschen, die ich kenne, in ihren Vorlesungen. Sie war in einem anderen Griechenland, in einem Griechenland, betrachtet durch das Wolfsche Sehraster. So ist das nun mal in der Kunst. Aber ich sollte von einem Apfelverkäufer keine Birnen verlangen.

© Asteris Kutulas, 1986


NACH DEM LESEN VON „DER GETEILTE HIMMEL“, „KEIN ORT. NIRGENDS“, „KASSANDRA“

Der junge Mensch, der im sozialistischen System der DDR aufgewachsen ist, begegnet einem intellektuellen Problem, das zwei Seiten hat: Identität und Aktivismus. Es deutet auf einen Auseinanderfall hin, den zwar der vorwärtsstrebende Geist begreift, ihn aber niemals akzeptieren kann, da er, aus lauter Hoffnungsprinzipien bestehend, am liebsten aus der wirklichen Welt in die wahre exilieren möchte... Gemeint ist der Auseinanderfall in einer sogenannten kommunistischen Ethik (oder besser: dem Postulat einer Ethik) einerseits und einer sozialistischen Praxis, die heute gelebt wird, andererseits. Die Möglichkeit einer geistigen Revolution oder einer Revolution im Geiste steht im seltsamen Widerspruch zum alltäglichen prosaischen und „behinderten“ Leben. Aber das Problem besteht nicht im Gegensatz – dieser ist jetzt nicht zu beseitigen –, sondern im Nicht-in-Anspruch-nehmen der Möglichkeit, im scheinbar vernünftigen, schon in der Jugend altgewordenen Leben, oder wie es bei Wilhelm Raabe heißt: „Mein Herz habe ich begraben und die Welt angenommen, wie sie ist; ich habe das Buch meiner Hoffnungen und Träume abgeschlossen und mich in das Unabänderliche ergeben!“ Warten auf den Tod in einer ruhigen kollektiven Umgebung.

Das andere negative Ergebnis dieser Unvereinbarkeit drückt sich in der Resignation des Geistes selbst aus. Keinen Ort gäbe es, wo der dürstende Geist Labung finden könnte; nirgends ist die einstige Hoffnung ins Leben zu überführen. Sie bleibt Utopie. Die Konsequenz dieses Standpunkts führt Christa Wolf zu der wichtigsten Frage in ihrer Erzählung „Kassandra“: Warum wollte ich die Sehergabe? Sie, die Seherin, ist Wahrheitsfinderin – aber niemand will ihr Zeugnis, keiner liebt sie für ihre Wahrheit. So bleibt ihr ein letzter trauriger Trost: „Ich habe nur noch Wörter, ungefärbt von Hoffnung und von Furcht.“ Der Himmel über Deutschland und über der Welt ist immer noch geteilt, aber die Hoffnung fiel in die Spalte zwischen den Hälften!

Das größte Problem für den jungen Geist: das Verbot oder die Nicht-Erfahrbarkeit seines Jung-Seins. Das Absprechen seines Vorrechts, Fehler zu machen. Der durch die Staatspropaganda metaphysische „Gebrauch“ der marxistischen Klassiker. Ein Salto mortale, von Fühmann bezeichnet als Übergang von der „Fiktion in die Fakten...“ Doch das Gegenteil wäre erstrebenswert: „Solch ein Mensch stellt sich Fragen, wo andere stets Antworten parat haben, weshalb sie jegliche Tätigkeit träge verrichten – sogar, wenn sie sie gut verrichten – und völlig im Konsum aufgehen.“ Solch eine Kritik, hier von Tschingis Aitmatow artikuliert, finden wir auch beim kubanischen Staatsmann Fidel Castro: „Der Kapitalismus ist sehr gefährlich, denn er ist sehr verlockend. Er kommt allen Instinkten des Menschen entgegen: dem Egoismus, der Habsucht, der Faulheit, der Prostitution aller Art, dem Wucher. Der Sozialismus dagegen ist anti-instinktiv! Der Sozialismus ist dem Kapitalismus gegenüber in einer sehr ungünstigen Lage, denn der Sozialismus bedeutet Opfer. Dessen Ideal darf nicht sein, eine Konsumgesellschaft zu schaffen...“

Aber im Grunde lässt sich die DDR-Politik der letzten Jahre genau darauf reduzieren: Auf die Erschaffung einer „sozialistischen Konsumgesellschaft“ – die völlige Verkehrung der postulierten Werte. Dieser Kampf ist nicht zu gewinnen. Das steht nicht nur im Widerspruch zu einer wie immer gearteten kommunistischen Ethik – durch eine Revolutionierung des Bewusstseins zur menschliche Emanzipation zu führen –, sondern auch zur historischen Realität. Und außerdem: es wäre ein Schritt zurück.

Von der Utopie zur Resignation, von „Der geteilte Himmel“ zu „Kassandra“ ... selbst unseren Schriftstellern gehen die Konzepte aus. Der durch Chrutschow 1956 gefaßte Beschluß, den Kommunismus 1980 einzuführen (!), rückt wohl in metaphysische Ferne. War der Aufbau der DDR in den 50er und 60er Jahren noch sicht- und merkbar, kam Anfang der 70er eine Stagnation, die allerdings auf einer anderen Ebene 1973 mit dem 8. Parteitag aufgehoben wurde: Plattensiedlungsboom, Reiseboom, Einkaufsboom – die DDR-deutsche Art von Kosmopolitismus verkehrte die bisherigen Zustände. War vorher der Mensch so groß und die Welt so klein, war es auf einmal umgekehrt: die Welt wurde gewaltig, der Mensch winzig. Rockmusik und Hippietum, Die Leiden des jungen W. und On the Road, Beatles und Renft, Hermann van Veen und Wolf Biermann wurden Symbole dieser Zeit. Und eines wurde klar und seitdem beherrschend: Alles wird an einem Menschenleben gemessen.

Diese Entwicklung führte erneut zum Konflikt durch die Entrückung des Ideals. Die SED-Führung ließ sich allein von den Bedürfnissen der Produktion und Außenpolitik leiten. Und vergaß darüber die „Produktion der Bedürfnisse“. Protest kam aus dem Lager der Schriftsteller: Christa Wolf formulierte am prägnantesten: „Für die Gegenwart existiert nur die Vergangenheitssprache. Die Zukunftssprache bedeutet: Jeden Tag werde ich umgebracht.“ Aber auch andere meldeten sich zu Wort: Inge von Wangenheim, Jurij Brezan, Stephan Hermlin, Franz Fühmann, Wassili Schukschin, um nur die wichtigsten zu nennen. „Engels sagte: Die Dichter erahnen die Zukunft. Wenn sie fähig sind, die Zukunft zu erahnen, dann meine ich erst recht auch die Probleme der Gegenwart.“ (Nazim Hikmet)

© Asteris Kutulas, Leipzig 1983


Der Tagebuch-Auszug offenbart meinen "Neid" auf das wunderbare Buch von Christa Wolf, das zu einer Zeit erschien, als ich mich selbst sehr intensiv mit der Antike und zufällig mit einem ähnlichen Stoff beschäftigte - der Iphigenie-Gestalt.

Der zweite Text von 1983 ist ein bezeichnendes Beispiel für die Hilflosigkeit (eines verlorenen) linken Gedankengutes innerhalb des real existierenden Sozialismus. Es ist kein guter Text, weshalb ich ihn bislang niemals veröffentlicht habe. (Ich las ihn nur einmal vor, ich glaube in der Moritzbastei, als ich mit Peter Geist, Uwe Gössler und Udo Tietz zusammen saß.) Aber als historisches Pamphlet eines verwirrten Geistes kann ich ihn gelten lassen. Und er dokumentiert ganz gut, wie viel wir solchen Autoren wie Christa Wolf, Volker Braun, Heiner Müller, Heinz Czechowski etc. zu verdanken hatten; zumindest hielten sie uns wach, gaben uns „Stoff“, sandten intellektuelle Botschaften aus, die aber nicht rein-literarisch waren, sondern in gewisser Weise das Überleben sicherten. Euch, meine Lehrer, danke ich von Herzen.
A.K.